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Achtsamkeit gegen Seekrankheit: Wie ein Brain-Computer-Interface den Wellengang im Kopf beruhigt

Seekrankheit ist ein Phänomen, das schon Seefahrer*innen der Antike gequält hat – ausgelöst durch widersprüchliche Signale zwischen Augen, Gleichgewichtsorgan und Gehirn. Wer je stundenlang auf einem schwankenden Boot verbracht hat, kennt das Gefühl: Schwindel, Übelkeit, der Wunsch, einfach festen Boden unter den Füßen zu spüren. Medikamente helfen zwar, machen jedoch oft müde oder benommen. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 – „Easing Seasickness through Attention Redirection with a Mindfulness-Based Brain–Computer Interface“ von Xiaoyu Bao, Kailin Xu, Jiawei Zhu, Haiyun Huang, Kangning Li, Qiyun Huang und Yuanqing Li. – zeigt nun einen überraschenden neuen Ansatz: Achtsamkeit in Kombination mit einem Brain-Computer-Interface (BCI).

Achtsamkeit senkt Seekrankheit signifikant

In realen maritimen Bedingungen untersuchten Forscher*innen, ob sich Seekrankheit durch gezielte Aufmerksamkeitslenkung reduzieren lässt. Dazu trugen die Teilnehmenden ein EEG-Headset, das ihre Gehirnaktivität in Echtzeit erfasste. Das System leitete die Aufmerksamkeit bewusst weg von den Symptomen – hin zu achtsamem Spüren, Atmen und innerer Fokussierung. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Die Intensität der Seekrankheit konnte signifikant gesenkt werden, ohne medikamentöse Eingriffe.

Dieses Experiment verbindet zwei bislang getrennte Welten: die alte Praxis der Achtsamkeit mit ihrer Fähigkeit, Körperwahrnehmung und Geist in Einklang zu bringen – und die hochmoderne Neurotechnologie eines BCI, das Gehirnsignale nicht nur misst, sondern auch nutzbar macht, um Aufmerksamkeit bewusst umzulenken. Während klassische Achtsamkeitstraining meist Wochen oder Monate dauert, eröffnen solche technischen Hilfsmittel die Möglichkeit, Wirkung unmittelbar erlebbar zu machen.

Die Studie zeigt, dass Achtsamkeit nicht nur im stillen Meditationsraum wirkt, sondern auch in Extremsituationen wie auf hoher See. Indem der Geist lernt, den Fokus von Schwindel und Übelkeit abzuwenden, beruhigen sich auch die körperlichen Symptome. Man könnte sagen: Die Wellen im Kopf glätten sich, noch bevor der Ozean sich beruhigt.

Hoffnung auch für Flugangst oder Schwindel

Natürlich bleibt die Frage, wie alltagstauglich solche BCI-Systeme in Zukunft sein werden. Doch die Forschung öffnet ein spannendes Feld: Achtsamkeit als neurotechnisch gestützte Methode zur Behandlung von Seekrankheit – und möglicherweise auch anderer reiserelevanter Beschwerden wie Flugangst oder Schwindel.

Für viele Menschen, die empfindlich auf Bewegungen reagieren, könnte dies eine kleine Revolution bedeuten: nicht länger abhängig zu sein von Tabletten, sondern die Kraft der eigenen Aufmerksamkeit – unterstützt von smarter Technologie – zu nutzen, um im Gleichgewicht zu bleiben. Bereits bestehende Studien zu Achtsamkeit zeigen, dass gezielte Aufmerksamkeitslenkung Angstreaktionen und Stresslevel senken kann. In Verbindung mit EEG-Feedback oder Virtual-Reality-Umgebungen könnte es künftig möglich werden, Menschen schon am Boden auf belastende Situationen vorzubereiten. Damit eröffnen sich Perspektiven, bei denen Achtsamkeit nicht nur als innere Haltung, sondern auch als präventive Technologie gegen reiserelevante Beschwerden verstanden wird.


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